Der notwendige Neubau der Autobahnbrücke zwischen Wiesbaden-Schierstein und Mainz-Mombach darf nach Ansicht des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz e. V. nicht zu einem überdimensionierten Ausbau der A 643 führen. Um dieser im laufenden Planfeststellungsverfahren eingebrachten Forderung mehr Nachdruck zu verleihen, hat der BUND jetzt eine Online-Protestaktion gestartet und bittet die Bevölkerung um rege Teilnahme.
Die Autobahn zerschneidet bereits heute das europaweit bedeutende Naturschutzgebiet Mainzer Sand und sorgt als Wanderhindernis und durch Schadstoffeinträge für gravierende Schäden. „Die Belastungen haben längst die zumutbare Schwelle überschritten und können nur begrenzt durch aufwändige Pflegemaßnahmen kompensiert werden. Jegliche weitere Flächeninanspruchnahme oder sonstige Belastung des Gebietes ist zu unterbinden“, erklärt Dr. Erwin Manz (BUND-Landesgeschäftsführer).
Der BUND setzt sich dafür ein, dass für die A 643 keinerlei Naturschutzflächen des Mainzer Sands in Anspruch genommen werden. Statt die Autobahn als eine normale Fernautobahn zu behandeln, müsse mehr Rücksicht auf die Natur und die in der Umgebung lebenden oder sich erholenden Menschen genommen werden. Nach Ansicht des BUND ist die geplante Autobahnverbreiterung zur Stauvermeidung nicht erforderlich. Durch die Behandlung als „Stadtautobahn“, unter Nutzung eines intelligenten Verkehrsleitsystems mit temporärer Einbeziehung der Standstreifen und einer Geschwindigkeitsbegrenzung, kann für flüssigen Verkehrsabfluss gesorgt werden. Ein Tempolimit führt zur deutlichen Verringerung von Schadstoff-Emissionen und damit einhergehenden Schäden an der menschlichen Gesundheit und der Natur im Mainzer Sand. Langsamere Autos und Lastwagen verursachen weniger Lärm und sorgen für eine höhere Lebensqualität der Anwohner und Naherholungssuchenden.
Zusätzlich muss der Öffentliche Personennahverkehr zwischen Mainz und Wiesbaden deutlich verbessert werden. Erst mit einer engen Taktung der S-Bahn-Verbindung zwischen Mainz und Wiesbaden sowie einem darauf abgestimmten Bus- und Straßenbahnverkehr wird es für Pendler attraktiv, das Auto stehen zu lassen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu fahren. „Auch die unverändert hohe Luftschadstoffbelastung in der Mainzer Innenstadt zeigt, dass die Mainzer Verkehrsplanung hinsichtlich der Förderung des ÖPNV schon seit Jahren versagt hat. Es ist immer noch viel zu attraktiv in der Stadt das Auto zu benutzen“, erklärt Manz weiter.
Der BUND wendet sich an Menschen, denen Luftreinhaltung und Naturschutz am Herzen liegen, mit dem Angebot sich an der Protestaktion zu beteiligen. Auf der Homepage des BUND (www.bund-rlp.de) steht ein Protestbrief, der von Teilnehmern an der Aktion online unterschrieben werden kann und dann an den Bundesverkehrsminister und den Landesverkehrsminister übermittelt wird. Mit der Aktion möchte der BUND den Menschen ein Sprachrohr bieten, die dem Vorhaben kritisch gegenüber stehen – aber bislang keine Möglichkeit hatten sich zu artikulieren.
Direktlink zur Kampagne: www.bund-rlp.de/mainzer_sand
Für Rückfragen:
Dr. E. Manz 06131 62706-0 bzw. 0151 12273866