Rheinschleife bei Boppard
(Klaus Thomas)
BUND und BI Rheinpassagen verschaffen sich Eindruck zu Projekten im Mittelrheintal
Boppard / Mainz. Im Jahr 2029 wird sich die Bundesgartenschau mit acht offiziellen Parks und zahlreichen weiteren Projekten durch das gesamte Welterbe Oberes Mittelrheintal erstrecken. Die Regionalentwicklung, eine Verbesserung der Infrastruktur und die Stärkung der touristischen Attraktivität zählen zu ihren Zielen.
Das Mittelrheintal besitzt jedoch auch einen außergewöhnlichen Naturwert. Zahlreiche Flächen stehen unter Schutz, darunter Vogelschutz- und FFH-Gebiete. Einmalige Pflanzen und Tierarten, die sich aufgrund der besonderen Lage nur hier entwickeln konnten, leben zwischen Bingen/Rüdesheim und Koblenz.
Wie vertragen sich Wälder, Trockenrasen und Flussufer mit den erwarteten 1,5 Millionen Besucher*innen? Diese benötigen Ausflugsziele, Zufahrten, Parkplätze und Sanitäranlagen. „Die Erfahrung zeigt, dass Gartenschauen Impulse setzen, aber auch durch Rodungen und Flächenverbrauch Umweltschäden bewirken können“, so Sonja Gärtner, Naturschutzreferentin des BUND Rheinland-Pfalz. In Lahnstein wurden jüngst Kahlschläge und die geplante Fällung dutzender alter Walnussbäume aufgrund eines Radwegeausbaus mit Brückenprojekt bekannt.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz und die BI Rheinpassagen (World Heritage Watch) haben daher beschlossen, die Vorhaben im Mittelrheintal genauer zu betrachten. Bei einer ersten Begehung wurde das Areal der in Boppard geplanten Hängebrücke besichtigt. Bei über 100.000 anzunehmenden Besucher*innen pro Jahr ist mit einem Anstieg des Verkehrs, dem Ausbau der Wege- und Versorgungsinfrastruktur, dem Verlust von Wald und der Zunahme von Lärm und Lichtverschmutzung zu rechnen. „Nicht nur die Brücke selbst, sondern ihre Gesamtauswirkungen müssen deshalb betrachtet werden“, so Klaus Thomas von der BI Rheinpassagen.
Dabei geht es den Verbänden nicht um eine grundsätzliche Ablehnung von Vorhaben. „BUGA und Natur in Einklang zu bringen – damit die Bundesgartenschau langfristig zu einem Erfolg für die Region wird“, fasst Sabine Yacoub, Landesvorsitzende des BUND, die gemeinsame Position zusammen. Dies hoffentlich auch mit Projekten und einem Rahmenprogramm, die den Umweltschutz bewusst thematisieren.
Schließlich fordert auch die UNESCO grundsätzlich, dass im Oberen Mittelrheintal nur solche Projekte entwickelt werden, bei denen der „außergewöhnliche universelle Wert“ der Region im Mittelpunkt steht und das Kultur- und Naturerbe erhalten bleiben.
Für Rückfragen: Sabine Yacoub, sabine.yacoub(at)bund-rlp.de, 0174-9971892