Vielfalt des Lebens (Biodiversität) in Gefahr

25. Mai 2009 | Klimawandel, Landwirtschaft

Gemeinsame Pressemitteilung von NABU, GNOR und BUND

Naturschutzverbände verlangen Strategie des Landes

Mainz. Die Naturschutzverbände Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR), Naturschutzbund (NABU) und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben in einem gemeinsam erarbeiteten Positionspapier bisherige Erfolge des Naturschutzes, Defizite und Lösungsansätze für die Zukunft zusammengestellt. Anknüpfend an die von der Bundesregierung beschlossene „Nationale Biodiversitätsstrategie“ fordern die drei Verbände von Ministerpräsident Kurt Beck eine Naturschutzstrategie für das Land Rheinland-Pfalz.

Die Verbände betrachten den Klimawandel und die Biodiversitätsverluste neben der Lösung der global sozialen Frage als die beiden großen Herausforderungen der Menschheit in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Die am 7. November 2007 vom Bundeskabinett beschlossene „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ trägt dieser Bedeutung Rechnung. „Die Nationale Biodiversitätsstrategie mit ihren Visionen und Aktionsfeldern gibt zahlreiche Anregungen, dem galoppierenden Arten- und Biotopschwund wirksam zu begegnen und den Erfolg der ergriffenen Maßnahmen über Indikatoren effizient zu beurteilen. Sie bleibt aber aufgrund der Länderkompetenz im Naturschutz unwirksam, wenn sie nicht auf Länderebene umgesetzt wird.“ erklärt NABU-Landesvorsitzender Siegfried Schuch.

Aus der Sicht der Naturschutzverbände sind die Anstrengungen des Landes Rheinland-Pfalz für die Erhaltung der Vielfalt des Lebens zu gering. „Die Landesregierung hat es bislang versäumt, die bisherigen Erfolge und Misserfolge selbstkritisch zu reflektieren sowie Ziele und Maßnahmen neu an den Zukunftsherausforderungen auszurichten.“ merkt BUND-Landesgeschäftsführer Dr. Erwin Manz an. „Die Roten Listen der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten müssen endlich neu erstellt werden.“ Über fachlich qualifizierte Monitoringprogramme und damit einhergehende Artenschutzprogramme müsse dem drohenden Aussterben von Arten entgegen gewirkt werden.

Anlässlich der heutigen Landespressekonferenz stellen die Naturschutzverbände ihr Positionspapier „Ziele und Lösungsansätze für eine Biodiversitätsstrategie in Rheinland-Pfalz“ der Öffentlichkeit vor. In neun Handlungsfeldern werden Bewertungen der aktuellen Situation und daraus resultierende Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels haben sich negative Auswirkungen von Bodennutzung und Entwässerung negativ auf Feuchtgebiete ausgewirkt. Lurche (z. B. der Moorfrosch) und etliche Libellenarten sind in einem dramatischen Rückgang begriffen. Hier muss durch Wasserrückhaltemaßnahmen und Reduzierung von Intensivnutzungen stabilisierend entgegen gewirkt werden.

„Den Rückgang von einheimischen Vogelarten, wie beispielsweise den Bodenbrütern (Feldlerche, Grauammer und Kiebitz) oder dem Raubwürger im Westerwald, nehmen wir mit Besorgnis zur Kenntnis“, so der Vorsitzende der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz, Dr. Peter Keller. „Hier gilt es dem Landschaftswandel durchVerlust von Grünland oder intensivere Nutzung der Feldflur entgegen zu wirken. Das Schutzgebietsnetz muss im Sinne der Erhaltung der Biodiversität weiter entwickelt werden, ebenso muss das Land die entsprechenden Finanzmittel bereitstellen. Hier besteht im Vergleich zu den anderen Bundesländern noch noch Ergänzungsbedarf“.

Die Naturschutzverbände sehen die Veränderungen im Offenland als dramatisch an und erklären die bisherige Agrarpolitik für gescheitert. Selbst in den Mittelgebirgen, wo traditionell nicht so intensiv gewirtschaftet wird, sind bunte Blumenwiesen eine Seltenheit geworden, immer mehr Hecken, Wegraine und Kleinstrukturen sind in den letzten Jahren verschwunden. Die Verbände fordern daher, dass künftig alle Zuschüsse an die Landwirtschaft stets auch der Allgemeinheit zu Gute kommen müssen. „Wenn mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Einkommen durch direkte und indirekte Subventionen erwirtschaftet werden, dann kann die Gesellschaft auch fordern, dass die landwirtschaftliche Produktion Anforderungen an Verbraucher, Tier- und Naturschutz erfüllt“, so Siegfried Schuch, Vorsitzender des NABU Rheinland-Pfalz. Angesichts des Wegfalls der Flächenstilllegung und der stark fortschreitenden Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion fordern die Verbände die Einrichtung von 10% Naturschutzvorrangflächen, um das dramatische Artensterben in der Feldflur aufzuhalten.

Deshalb müssten die EU-Subventionen auch neu verteilt werden. Die Direktzahlungen (Erste Säule), die nach Ansicht der Verbände ohne große Gegenleistung für die Gesellschaft gezahlt werden, müssten umgeschichtet werden in die Förderungen der ländlichen Entwicklung mit klaren Leistungen für den Naturschutz. Notwendig wäre es auch, die Vergabe der Mittel so zu ändern, dass sie den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum unterstützen.

 

weitere Informationen:
Siegfried Schuch (NABU-Landesvorsitzender) Tel.: 06131 / 1403920
Dr. Peter Keller (GNOR-Landesvorsitzender) Tel.: 06341 / 5590646
Dr. Erwin Manz (BUND-Landesgeschäftsführer) Tel.: 06131 / 627060 

 

Anhang:

Positionspapier zur Biodiversität in Rheinland-Pfalz von GNOR, NABU und BUND (PDF, 643 KB)

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