50 Jahre BUND Landesverband
Rheinland-Pfalz

Der Große Eisvogel, unser größter Tagfalter - Baumeister und Feinschmecker...

Erste Begegnung - ein Männchen am Boden...

Das Bild zeigt ein Männchen des Großen Eisvogels beim Saugen auf einem Waldweg im Soonwald. Die sehr scheuen und nur selten in Bodennähe zu beobachtenden Weibchen des Großen Eisvogel sind oft sogar noch etwas größer und erreichen eine Flügelspannweite von bis zu 8 cm. Sie sind damit die größten Tagfalter Deutschlands.

und plötzlich ein Weibchen...

Nur selten und dann oft nur kurz, kann man ein Weibchen des Großen Eisvogels, wie hier auf dem Bild zu sehen, in Bodennähe beobachten. Bevor die richtige Position gefunden und die Kamera richtig eingestellt ist, ist der Falter wieder im Wald verschwunden...

Heimliche Eiablage

Die Eiablage des Weibchens erfolgt oft sehr versteckt - hier in ca. 4 m Höhe auf der Oberseite eines Espenblattes in der Nähe der Blattspitze. Erst beim Vergrößern des Bildes (siehe unten) erkennt man den Falter im Gewirr der Blätter der Zitterpappel.

Und hier ein Ei des Großen Eisvogels im Soonwald. Schon bald wird aus diesem Ei die Raupe schlüpfen.

Zu spät - Leider nur noch die ausgelaufene Hülle eines zerstörten Eies des Großen Eisvogels im Soonwald. Gut zu erkennen ist noch die sechseckige Wabenstruktur der Oberfläche mit den Stacheln. (Zum Vergrößern Anklicken!) Leider werden viele Eier insbesondere von Ameisen und anderen kleineren Insekten zerstört, bevor die Raupen schlüpfen...

Die Raupe des Großen Eisvogels und ihre Geheimnisse...

Die soeben geschlüpfte Raupe des Großen Eisvogels bleibt an der Blattspitze und frißt zunächst die Eihülle komplett auf. Anschließend beginnt sie sofort damit, links und rechts der Blattrippe das Blatt zu befressen. Nach einer Stunde erkennt man schon den Ansatz der späteren Kotrippe. - Die Raupen haben eine sehr ausgefeilte Technik entwickelt, um sich damit vor kleinen Fressfeinden zu schützen. - Sie verlängern die an beiden Seiten durch Abfressen freigestellte Blattrippe mit Baumaterial aus Kotballen und Gespinstfäden zu einer mehrere cm langen Kotrippe.

Am Abend des ersten Tages nach dem Schlüpfen am Morgen hat die Raupe bereits eine Kotrippe, die 2-mal so lang ist, wie sie selbst aus ihren Kotballen und Gespinstfäden gefertigt. Sie sitzt jetzt bereits in ihrer typischen Stellung mit dem Kopf seitlich nach unten am Ende dieser luftigen Konstruktion.

Eine ca. 5 Tage alte Raupe im ersten Kleid (L1) im Soonwald - Die Kotrippe ist jetzt bereits mehrere Zentimeter lang.

Die Raupe ist trotz der auffälligen Kotrippe nicht leicht zwischen den Blättern der Zitterpappel zu erkennen. Nach der nächsten Häutung wird sie bald durch ihre Färbung und ihre eigenartige Ruhehaltung immer mehr wie einem Häufchen Vogelkot aussehen...

Nur wenige Tage später erkennt man an der prall gespannten Haut, dass die erste Häutung unmittelbar bevor steht...

Fressen, Häuten, Fressen...

Die Raupe hat sich jetzt, es ist mittlerweile Mitte Juli im Soonwald, zur ersten Mal gehäutet, si befindet sich jetzt im zweiten Raupenstadium (L2). Die Haut ist nicht mehr glatt, sondern es sind Falten und Ansätze von Dornen erkennbar. Die Raupe beginnt schon kurz nach der Häutung mit der nächsten Fressphase...

eine Woche später steht bereits die nächste Häutung kurz bevor. Die Haut ist wieder prall gespannt, der Kopf zu klein geworden...

... und schon hat sich die Raupe (jetzt L3) zum zweiten Mal gehäutet, die alte Kopfkapsel der L2-Raupe hängt noch an der Kotrippe. Die Färbung der Raupe entspricht jetzt einem Häufchen Vogelkot. Wieder beginnt eine Fressphase...

Drei Tage später ist das Blatt der Zitterpappel fast komplett verspeist. Die "Fahne" steht noch, die Kotrippe hat ihre maximale Länge erreicht. Am Blatt erkennt man jetzt, warum von Fahnenfraß gesprochen wird.

Die L3-Raupe hat jetzt - mittlerweile ist es Anfang August im Soonwald - ihre vorläufig endgültige Größe erreicht. Am den nächsten Tag wird sie mit dem Bau des Hibernariums beginnen...

Die Kunst des Hibernariumsbaues...

Die Raupe beginnt damit, ein Blatt mit Spinnfäden an einen Ast anzubinden. Anschließend wird aus dem Blatt ein ovaler Teil ausgeschnitten. Dieses Blattstück wird dann immer näher am Ast angesponnen und mit Spinnfäden zu einer Röhre eingerollt. Schließlich wird das Röhrchen mit dem Ast fest versponnen. Das Kopfende wird oft mit Spinnfäden verschlossen...

Zurückgebliebener Rest des ausgeschnittenen Blattes...

Oft wird das Blatt auch am nächsten Tag noch stundenlang, immer fester mit dem Ast versponnen. - Das alte Fraßblatt ist auch noch zu erkennen.

... kurze Zeit später ist es bezugsfertig. (Zum Vergrößern bitte Anklicken)

Am Abend des zweiten Tages hat die Raupe das Hibernarum schon bezogen und kommt nur noch ganz selten zu letzten Mahlzeiten heraus. Sie ist noch etwas zu groß, ihre "Schwanzspitze" guckt noch hervor. Sie wird aber bald die Nahrungsaufnahme komplett einstellen und durch Flüssigkeitsabgabe weiter schrumpfen...

Eine Woche später ist das Blatt schon eingetrocknet und nur noch ein Zipfelchen der Raupe zu sehen. Schon bald verschwindet sie komplett im Hibernarium...

Einen Monat nach dem Bezug ist die Raupe soweit eingetrocknet, dass sie von außen nicht mehr zu sehen ist....

Winter

Und so überdauert sie (hoffentlich) den Winter. - Leider werden viele Raupen Opfer von Räubern wie Ameisen, Spinnen, Florfliegenlarven oder Vögeln. Andere Raupen vertrocknen im Hibernarum und werden im nächsten Frühjahr das Hibernarium nicht wieder verlassen...

Die Hibernarien können mit oder ohne Blattstiel am Ast oder an der Triebspitze angebunden sein - hier ohne Stiel an der Triebspitze.

Ein Hibernarium am Blattsiel an der Triebspitze angebunden...

Hier ist es neben der Triebspitze angebunden...

Und diesmal wurde das Hibernarium einfach neben dem Ast angebunden.

Raupe im Hibernarium - Beim Blick in die Röhre - hier im März kann - man noch nicht erkennen, ob die Raupe vertrocknet ist.

Dieses Schicksal ereilte leider auch diese Raupe im Soonwald. Die Hibernarien sind sehr witterungsbeständig.

Auch im folgenden Sommer und Herbst findet man noch Hibernarien aus dem Vorjahr, manchmal sogar noch solche aus den Vorvorjahren. Sie können noch die vertrockneten toten Raupen enthalten, so wie diese, wie der Blick in die Röhre zeigte.

Später hängen die aufgepickten und älteren Hibernarien auch nur noch am Spinnfaden an den Zweigen. 

Einige Raupen werden auch Opfer von Meisen und anderen Vögeln des Waldes, wie diese Raupe. Sie hatte den Winter unbeschadet überstanden und wurde dann Ende Februar von einer Meise gefunden und verspeist. Übrig blieb ein zerstörtes leeres Hibernarium...

Hier hatte der Finder "6 Richtige im Lotto". An einem Ast befanden sich gleich zwei Hibernarien mit Raupen. Dieser extrem seltene Fund gelang am 13.10.2022 im Binger Wald bei Waldalgesheim. Die Pfeile zeigen die beiden Hibernarien. Die Markierungen zeigen die von den Raupen zur Anfertigung der Hibernarien ausgeschnittenen Blätter der 2m hohen Zitterpappel.

Frühjahr

Im Frühjahr, wenn es wärmer geworden ist, schiebt die Raupe ihr "Schwänzchen" aus dem Hibernarium und nimmt bei Regen Wasser auf...

Es ist soweit, die Raupe verläßt nach dem Winter zum ersten Mal ihr Hibernarium und erkundet den Ast, auf dem sie überwintert hat...

die Knospen sind noch nicht ausgetrieben, aber der Versuch lohnt?

lieber schnell wieder zurück ins Röhrchen, bevor es zu kalt wird...

In den ersten Tagen kehren die Raupen noch in das Hibernarium zurück. Schon bald bleiben sie aber auch nachts auf dem Ast im Freien.

Kurz danach beginnen die Blattknospen auszutreiben, das große Fressen beginnt zwar noch vorsichtig, aber es wird immer ausgiebiger...

Raupe des Großen Eisvogels (L4). - Schon bald ist die Überwinterungshaut zu eng und die Raupe häutet sich zum dritten Mal.

Ihre wahre Pracht entfaltet die Raupe nach der vierten Häutung...

Puppe

Im Mai verpuppen sich die Raupen als Stürzpuppe auf einem mit Spinnfäden leicht eingerollten Espenblatt oder an einem dünnen Ast. Und Anfang Juni erscheinen dann wieder die frischen Falter im Soonwald...

Im folgenden Herbst kann man dann manchmal immer noch die leere Puppenhülle auf einem Espenblatt finden.

Die frischen Falter sind da...

Mit etwas Glück sieht man dann im Juni wieder die wunderschönen Männchen der Falter beim Saugen auf einem Waldweg im Soonwald. Hier saugt er an einer feuchten Stelle nach Mineralien, seine besondere Vorliebe gilt aber "wohlriechenderen Speisen"...

Die Männchen mit eigenartigen Vorlieben...

Und das ist die Lieblingsspeise zumindest der männlichen Falter. Ein riesengroßer Haufen Hundessch... Auch Pferdeäpfel oder Aas, Morast und Stinkkäse schecken ihnen besonders gut.

Die Männchen (Bild) und ebenso die Weibchen des Großen Eisvogels saugen aber auch gerne am Honigtau der Blattläuse auf den Blättern der Bäume. An Blüten sind sie dagegen nur selten zu sehen...

Da Große Eisvögel und Schillerfalter gerne auf Waldwegen am Boden sitzend an Pfützen oder Exkrementen rüsseln, werden sie auch immer wieder von auf den Waldwegen fahrenden Autos getötet, wie dieses Exemplar auf einem für Autos gesperrten Forstweg im Soonwald.

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